Diejenigen von Euch, die mich persönlich kennen, wissen dass ich ein sehr emotionaler Mensch bin. Und wenn ich sage “sehr emotional”, dann ist das auch genauso zu verstehen. Böse Zungen könnten behaupten, ich sei sehr nah am Wasser gebaut, eben eine Heulsuse. Meine Emotionen zu kontrollieren liegt mir nicht, ich lasse alles sofort raus, lebe jedes Gefühl und man sieht es mir auch ohne Menschenkenntnis an wenn es mir schlecht geht. Leider Gottes schaffe ich es auch mich immer wieder in Situationen wiederzufinden, in denen es von Vorteil wäre kühlen Kopf zu bewahren, einmal durchzuatmen und dann besonnen und ruhig weiterzumachen. Nur gelingt genau dies mir absolut nicht. Ich explodiere förmlich wenn mir was nicht passt, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle oder wenn etwas nicht so läuft wie ich es jetzt bitteschön gerne hätte.
Mein Leben verläuft seit 20 Jahren nicht geradlinig und ruhig, irgendwas ist immer und zur Ruhe komme ich, seit ich vor zehn Jahren mein Elternhaus verlassen habe, einfach nicht . Meine Mama sagt , dass ich dazu neige “die Dinge zu verkomplizieren” und sie hat Recht. Aber was kann ich dafür wenn das Leben an sich so kompliziert ist? Ich wünsche mir doch auch nur Ruhe, ein zufriedenes und glückliches Leben. Ich will keine Reichtümer oder Unmengen an materiellen Werten, muss nicht zweimal im Jahr die gesamte Welt bereisen und mich von einer Party zur nächsten feiern. Ich erwarte nicht, dass jeder Mensch, der mir im Leben begegnet, mich mag, möchte nicht überall die Erste, Beste, Schönste, Größte, was-auch-immer-sein. Ich möchte einfach nur Ich sein. Ich möchte ein Dach über dem Kopf, möchte mir nicht ständig ums Geld Gedanken machen müssen, ich möchte meine Freundinnen und Freunde um mich haben, die mich wirklich mögen wie ich bin, die mich verstehen und für das schätzen was ich bin. Ich möchte vielleicht einmal im Jahr in den Urlaub fahren (was die letzten zehn Jahre auch nicht möglich war), und vor Allem möchte ich abends nicht alleine einschlafen müssen, denn meine größte Angst im Leben ist das Alleinsein. Mittlerweile bin ich mir auch sicher, dass ich einzig und allein aus diesem Grund geheiratet habe; weil ich Angst vorm Alleinsein hatte. Dass das ein Griff ins Klo war wissen alle, die meine Geschichte der vergangenen anderthalb Jahre kennen. Und nun habe ich endlich, endlich einen Menschen gefunden, mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen möchte. Ein Mensch, bei dem ich weiß, dass er mich bedingungslos liebt. Genauso wie ich bin und auch weil ich so bin. Weil ich endlich, endlich ich bin. Er unterstützt mich bei Allem was ich tue, lobt mich, stärkt mein Selbstvertrauen. Bei ihm fühle ich mich sicher, geborgen, geliebt, verehrt, auf Händen getragen. Ich weiß genau wenn es einer schafft, mich zu beschützen vor der Welt da draußen, dann ist er es.
Doch mein Leben wäre nicht mein Leben, wenn es hier nicht wieder kompliziert werden würde. Hier ist der große Knackpunkt in meinem Leben. Wieso kann etwas nicht einmal einfach sein? Wieso muss immer ich mir den komplizierten Weg aussuchen? Wieso kann nicht auch mal bei mir einfach alles “rosarot und bunt”* sein? Immer diese Achterbahnfahrt der Emotionen, ich kann einfach nicht gelassen und ruhig sein, zu groß ist die Angst, dass es schiefgeht, dass ich nicht mein großes Glück finde, dass alles nur geträumt ist. Ich warte nun schon so lange auf die Erfüllung dieses Traums, endlich meine Liebe ausleben zu können, unbegrenzt, unbeschwert. Ich kann es nicht mehr hören, diese Zweifel aus meinem Umfeld, dieses Genörgel meines Bruders, die Fragen meiner Eltern. Diese blöden Ratschläge, die man aus allen Ecken bekommt. Alles bescheuert, denn wer sich nicht in meiner Situation befindet, kann gar nicht wissen wie es ist, wie man damit umgeht. Sehnsucht ist das schlimmste aller Gefühle! Das weiß ich jetzt, nach über einem Jahr, mit Sicherheit. Es gibt kein Gefühl, dass einem so sehr den Schlaf raubt, das einen so sehr zerreißt, den Appetit verdirbt und die Einsamkeit verdeutlicht. Es gibt kein Gegenmittel. Da hilft kein Wein, kein Cocktail, keine Freunde, die einen aufmuntern wollen. Kein Film, kein Lied, absolut gar nichts kann helfen, die Sehnsucht zu mildern, das Gefühl der Unvollkommenheit ohne den Partner zu dämpfen. Einzig die Erfüllung der Sehnsucht vermag dieses Gefühl zu vertreiben. Doch wann, wann endlich ist es soweit? Ich weiß es nicht. Es gibt immer mal wieder Lichtblicke, die aber so schnell vergehen. Zeit, die verstreicht und dabei doch unendlich langsam vergeht. Und immer ist da Angst. Diese Angst, dass alles umsonst ist. Angst, geschürt durch die Zweifel von “Freunden”, die es doch alle nur gut mit mir meinen. Einer insbesondere, hat sich abgewandt weil er es “nicht erträgt, wie ich leide”, und doch weiß ich mit Sicherheit, dass dies nur Eifersucht ist. Ich will das alles nicht mehr hören. Was ich brauche ist Unterstützung, und nicht ein Miesmachen meiner Situation. Würde Goethe noch leben, er verstünde mich, schließlich stammt dieses Gedicht von ihm, das einfach alles beinhaltet, was meine Situation verdeutlicht:
Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß, was ich leide!
Allein und abgetrennt
Von aller Freude,
Seh’ ich an’s Firmament
Nach jener Seite.
Ach! der mich liebt und kennt,
Ist in der Weite.
Es schwindelt mir, es brennt.
Mein Eingeweide.
Nur wer die Sehnsucht kennt,
Weiß, was ich leide!
In diesem Sinne: wer mir nicht helfen will, soll mich in Ruhe lassen. Nennt mich undankbar, aber Ratschläge, die z.B. Ultimaten betreffen, die ich stellen soll, oder blöde Fragen, die nur er beantworten kann, und nicht ich, will ich einfach nicht mehr hören. Wichtig ist, dass ich glaube.
An mich.
An ihn.
An uns.
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*”rosarot und bunt”- ist ein Ausspruch meiner Freundin Dani. Soll einfach heißen dass alles perfekt und schön ist. Aber das Leben ist eben nicht rosarot und bunt. Und auch kein Ponyhof, kein Kindergeburtstag und erst recht kein Wunschkonzert.