So, wie versprochen heute der Bericht aus der Klinik. Allzuviel gibt es gar nicht zu erzählen, ich war gerade mal 24Std. da, aber versprochen ist versprochen.
Am 18.05. sollte ich um 10:00h in der Ostseeklinik sein, um die Materialentfernung aus meinem linken Bein vornehmen zu lassen. Ich bin also um viertel nach neun zu meinem Vater gefahren, damit er mich dann ins Krankenhaus fährt. Er musste mich mit meinem Auto fahren, weil der Wagen meiner Eltern zu dem Zeitpunkt gerade in der Werkstatt war.
Papa hat mich dann vor der Klinik abgesetzt und ich bin rein, mit meinem Rucksack und den Krücken unterm Arm. Am Empfang haben sie mir dann gesagt, dass ich mich auf Station drei melden soll, wo man mir nach kurzer Wartezeit auch ein Zimmer und ein Bett zugewiesen hat. War ein Dreibett-Zimmer, in dem ich im mittleren Bett liegen durfte, rechts von mir ein 18-jähriges Mädel mit einem operierten Kreuzbandriss und links eine junge Polin, die am Fuß operiert worden ist. Ohne Umschweife brachte mir die Schwester dann auch gleich dieses wundervolle OP-Hemd samt diesem Netzhöschen, was die sich eigentlich auch sparen können, denn die Dinger sind so wenig Stoff, dass man die auch echt weglassen könnte. Nun ja.
Ich hab mich ins Badezimmer verkrochen (in der Ostseeklinik hat jedes Zimmer ein eigenes, geräumiges Bad mit Dusche und WC. Nicht wie in der Lubinusklinik, wo es im Zimmer nur ein Waschbecken, abgetrennt durch einen Vorhang, und das WC auf dem Flur gibt) und mir das OP-Hemd samt dem sexy Netzhöschen angezogen, und mich dann ins Bett gelegt, mit meinem dicken Ork-Buch, und gelesen. Da war es dann schon viertel vor elf. Kurz darauf kam die Schwester zum Blutdruck messen und mit einer Beruhigungstablette und der ersten, schmerzhaften Thrombosespritze in den Bauch für mich. Auf meine Frage, wann ich denn nun operiert werden würde, antwortete sie nur mit einem “kann ich Ihnen nicht sagen, heute dauert das alles ein wenig länger”. Es hieß also warten. Kann ich ja besonders gut, warten ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen….
Um viertel nach elf ging es dann aber los, die Schwester kam wieder, teilte mir mit, dass es losginge und schickte mich nochmal aufs Klo zum Blase entleeren. Wobei das bei mir auch nur eine reine Nervositätssache war, denn ich musste ja nüchtern im Krankenhaus aufkreuzen und hatte seit 23h am Vorabend weder gegessen noch getrunken. Entsprechend hatte ich auch Hunger und Durst, ich war an dem Tag schließlich um 06:00h aufgestanden, und den ganzen Vormittag ohne Essen und Trinken rumzukriegen, war ein hartes Stück Arbeit für mich gefräßiges Etwas..:-)
Im EG vor dem OP angekommen sah ich gleich ein altbekanntes, fröhliches Gesicht auf mich zukommen. Ein alter Freund von mir ist Anästhesiehelfer in der Klinik und hatte sich, als er meinen Namen auf der OP-Liste gesehen hatte, für meine OP eingetragen. So hatte ich eine 1A-OP-Vorbehandlung, und ich denke, nicht viele Patienten werden mit Begrüßungsküsschen auf die Wange vom Anästhesisten empfangen. Das war auch das erste Mal, dass ich, bevor eine Braunüle gelegt wurde, eine Betäubungsspritze an der Stelle bekommen habe. So legte er die Braunüle für mich absolut schmerzfrei und hat mir auch ganz genau erklärt, was er da alles macht, samt Erklärung aller Medikamente und dem Schlafmittel, das er mir dann in den Arm gejagt hat. Es war übrigens Propofol, laut meinem Bekannten das Zeug, mit dem Michael Jackson sich umgebracht hat. Ich bat ihn noch, bei mir bitte dann eine geringere Dosis anzuwenden, und schon bin ich weggeschlummert…
Ich habe wunderschön geträumt in der Narkose, von meinem Liebsten und mir, und dass wir endlich an unserem Ziel angekommen sind.
Zack! War ich wieder wach, lag im Aufwachraum in meinem Bett und guckte wieder in das gleiche fröhliche Gesicht wie beim Einschlafen. Er hat sich dann aber verabschiedet, ich dankte ihm noch für die gute Behandlung, und dann kam eine Schwester ans Bett, die mir auch sehr bekannt vorkam, mit ihr habe ich nämlich vor zehn Jahren gemeinsam Abi gemacht. Mit ihr unterhielt ich mich dann auch noch eine geschätze Viertelstunde, bis man mich wieder in mein Zimmer hochschob und ich dann ersteinmal mit den Folgen der Narkose zu kämpfen hatte. Mir war nämlich kotzübel. Aber nur, wenn ich den Kopf angehoben habe, um mein Bein anzusehen, wo natürlich wieder eine Drainage drinsteckte.. ich hatte so gehofft, drumrum zu kommen, denn die verdammte Drainage war letztes Jahr das Schlimmste an der ganzen OP-Geschichte, der Schlauch im Bein tat nämlich verdammt weh, was dieses Jahr leider Gottes ganz genauso war.. Seufz.. Ich hatte in diesem Moment schon Angst vor dem Ziehen des Schlauches am nächsten Tag…
Den Rest des Tages habe ich in einem recht angenhmen Dämmerzustand verbracht, die Menge an Schmerzmitteln, inklusive eklig süßer Novalgin-Tropfen, tat ihr Übriges dazu. Am Nachmittag kam meine Freundin Dani mit ihrer Tochter nochmal vorbei, und auch mein Liebster schneite noch einmal für ein paar Minuten auf dem Rückweg von der Arbeit herein. Leider konnte er nicht lange bleiben, weil er wie immer im Stress war.
Am Abend habe ich es mir nicht nehmen lassen, wie jeden Dienstag Simpsons und alles, was danach auf ProSieben läuft, zu schauen. Das Schöne an der Ostseeklinik ist, dass jeder Patient an seinem Nachttisch einen eigenen kleinen 7-Zoll Monitor hat, an dem man Kopfhörer anschließen kann und so ziemlich alle TV-Programme empfangen kann. Man muss sich also nicht, wie in vielen anderen Kliniken, mit seinen Bettnachbarn über das TV-Programm einigen. Die Nacht verlief ruhig, ich wurde zwar einige Male wach, weil der blöde Schlauch in meinem Bein mich gezwickt hat und in regelmäßigen Abständen von ca. zwei Stunden die Nachtschwester mit einer Taschenlampe herein kam um die Menge des Wundsekrats in der Auffangflasche meines Drainageschlauchs zu überprüfen. Trotzdem habe ich recht gut geschlafen. So gut, wie es eben in der Situation möglich ist.
Am nächsten Morgen kam schon vor acht Uhr mein Orthopäde, Dr. Wagner, um sich die Narbe anzusehen und -Oh Graus- die Drainage zu ziehen. Ich vermutete Schlimmstes, da ich beim letzten Mal, als dies gemacht wurde, so starke Schmerzen hatte, vor denen ich echt Angst hatte. Aber mein Doc war super, das Ziehen des Schlauchs habe ich zwar gespürt, es war aber nur ein unangenehmes, saugendes und schmatzendes (ja, genauso muss man sich das vorstellen) Gefühl, kein Schmerz. Ich hätte den Arzt dafür küssen können. Anschließend verband er mir das Bein komplett vom der Sohle bis übers Knie, und bat mich, am darauffolgenden Freitag zur Kontrolle in seiner Praxis zu erscheinen.
Etwas später kam dann nochmal die Physiotherapeutin um noch ein wenig mit mir das “Stützenlaufen” zu üben, und danach durfte ich auch schon nach Hause, wo ich es mir umgehend auf dem Sofa gemütlich gemacht habe und ersteinmal ein paar Stunden geschlafen habe.
Soviel dazu von mir. Ich habe versucht, mich kurz zu fassen, aber es ist jetzt doch etwas länger geworden. Und ich habe schon ein paar unwichtige Dinge ausgelassen. Mein Erzählstil ist vermutlich nicht der Beste, aber ich möchte ja auch keinen Schreibwettbewerb gewinnen. Ich werde mich jetzt wieder auf die Couch zurückziehen, das Schreiben hat fast eine Stunde gedauert und mein Bein zwickt wieder rum. Ich hoffe, ich habe niemanden gelangweilt und halte Euch natürlich weiter auf dem Laufenden, was meine Genesung angeht.